Die Geschichte des Luftpumpenfeldes  

 

 

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Rudolf Kley erzählt die Geschichte seines Luftpumpenfeldes ( Stand März 2000, am Ende wird der aktuelle Stand des Projektes bekannt gegeben ): "Seit 1986 führe ich die Luftpumpe als Qualitätsmaßstab für Kunst ein. An ihr kann man sehr gut demonstrieren, dass es keinen verbindlichen Kunstmaßstab gibt. Diese Erkenntnis beseitigt Vorurteile und setzt Kreativität frei.

Herausgefordert haben mich die Worte eines Kunstdidaktikers: „Andererseits würden wir nicht auf die Idee kommen, das Verständnis für Kunst an einer Luftpumpe zu erproben." Diese Behauptung möchte ich mit der Rekonstruktion des Weizenfeldes, in dem sich Vincent van Gogh erschossen hat, widerlegen. Für diese Rekonstruktion benötige ich 30 000 gelben Luftpumpen. Angesichts des von van Gogh gemalten Weizenfeldes mit Raben im Kröller Müller Museum erkannte ich vor 14 Jahren, dass es die Identität von Werk und Leben ist, die ich unterbewusst immer als Maßstab für künstlerische Arbeit angelegt habe. Meine Luftpumpenaktion ist damit die Skulptur gewordenen Antwort auf Fragen, die bis in meine Schulzeit zurückreichen.

Damals bekam ich für durchaus vergleichbare Arbeiten im Kunstunterricht von verschiedenen Lehrern ganz unterschiedliche Noten. Was dem einen Lehrer gerade ausreichte, fand der Nächste sehr gut, was den Ersteren wiederum veranlasste, mir in Zukunft auch eine eins zu geben. Das alles fand ich schon sehr merkwürdig. Wann mache ich Kunst? Wo fängt Kunst an, wo hört sie auf? Was ist gute Kunst, was ist schlechte Kunst? Warum ist schlechte Kunst immer noch Kunst? Warum ist nur ein toter Künstler ein guter Künstler? Das ich auf diese Fragen damals keine Antwort wusste, hielt mich erfreulicherweise nicht vom Malen ab.

Über das Pharmaziestudium hätte ich die Kunst und die Malerei bald ganz aus dem Auge verloren. Zwar verkaufte ich in dieser Zeit mein erstes Bild an einen Kollegen, aber das Studium fesselte mich doch so sehr, dass ich nur sporadisch an Kunst dachte. Als Apotheker interessierte mich dann wieder zunehmend der therapeutische Aspekt von Malerei, von kreativer Freizeitgestaltung. Schließlich wurde der Bevölkerung Ende der siebziger Jahre mit der Arbeitslosigkeit gleichzeitig soviel Freizeit aufs Auge gedrückt, dass diese schon wieder krank machen konnte.


Nachdem ich 1976 die Leitung der Löwen-Apotheke übernahm, ging alles Schlag auf Schlag. Statt wissenschaftlich im Bereich der Gesundheitserziehung arbeiten zu können, musste ich mich sofort mit einer Bürgerinitiative zur Marktplatzneugestaltung herumschlagen. Die Löwen -Apotheke wurde in Gedanken schon abgerissen. Ich trat dieser Initiative bei und sorgte für einen alternativen Vorschlag für die Marktplatzbebauung, der auch das Ergebnis meiner Bürgerbefragung zur der wünschenswerten Nutzung einbezog. Die Bürger wünschten sich u.a. ein kulturelles Zentrum. 

Dies war die Geburtsstunde der Galerie 77 (1977), der Kulturwerkstatt Meiderich und des Meidericher Kunstmarktes(1978). Der Umgang mit Künstlern, die Diskussionen mit Freizeitkünstlern und Mitmenschen, die ich für die Kunstgewinnen wollte (Malen ist gesund!) sorgten dafür, dass mich die offenen Fragen zur Kunst und Qualität von Kunst aus der Schulzeit jetzt einholten.

Kultur definierte ich zu dieser Zeit als die Summe aller vom Menschen beeinflussbaren Bedingungen, unter denen an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt menschliches Zusammenleben erfolgt. Kunst im weitesten Sinne als eine Art gesunder kreativer Lebenshaltung, die traditionsgemäß am ehesten erkannt wird, wenn sie sich auf dem bildnerischen Sektor niederschlägt oder entfaltet. Aber hatte ich damit Recht?

Da mich in der Vergangenheit nur die Malerei und dort der Weg vom Impressionismus zum Expressionismus interessiert hatte, musste ich mich zwangsläufig mit neueren Entwicklungen wie Aktionskunst etc. beschäftigen und legte mir eine kleine Bibliothek zu. Dabei fiel mir zum Glück auch ein Buch in die Hände. „Kunst, was ist das?" hieß das Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle. Ich stolperte regelrecht über den Vereinbarungscharakter von Kunst. Die wichtigsten Gedanken fand ich in dem Kapitel" Künstler denken über das Glashaus nach, in dem sie sitzen. Da hatte jemand für mich ins Reine gedacht. Ahnung wurde zur Gewissheit, Kunst zu Kohl. „Kunst ist Kohl" nannte ich 1981 mein Parallelhappening zu Vostells Fluxuszug, mit dem ich den Vereinbarungscharakter von Kunst unter das Volk brachte und Vostells „Kunstschule" kritisierte.

Erweiterte Kunstbegriffe hin oder her. Wem nützt ein unverstandener Kunstbegriff? Josef Beuys warf ich im gleichen Jahr vor, dass er seinem erweiterten Kunstbegriff keinen Eigennamen gegeben hat, der ihn unmissverständlich von traditionellen Kunstbegriffen abgrenzt. Ob er mich wirklich verstand? Am Ende der Diskussion sagte er: „Mach Du es!"

Gesagt, getan. Den traditionellen Kunstbegriff reduzierte ich auf die Handelsware Kunst und nannte den erweiterten Kunstbegriff „ARTART". Flugs gründete ich zur Illustration auch eine Künstlergruppe ARTART. Zehn Jahre später las ich, dass auch Andy Warhol zwischen „artart" und „business art" unterschieden hat. Da lief mir zwar richtig ein Schauer über den Rücken, aber mit seiner Vorstellung „Being good in business is the most fascinating kind of art" wollte ich mich nicht anfreunden.

Die Theorie stahl mir aber nicht meine Freude an der Malerei. Ausstellungen meiner Bilder benutze ich jetzt ebenfalls dazu, um auf den Vereinbarungscharakter von Kunst hinzuweisen. Es gibt keine allgemeingültigen Regeln, deren Beherzigung beim Schaffensprozess zwangsläufig aus einer Sache ein Kunstwerk machen. 

Es muss die Freude am Schaffensprozess selber sein, die in diesem Bereich eine Weiterentwicklung initiiert. Die Freude am Ergebnis ist es auch, die zum Weitermachen motiviert. Kunstbegriffe und die von ihnen abgeleiteten Vorstellungen über Qualität von Kunst werden allesamt durch ganz subjektive Vereinbarungen geprägt. Diese Vereinbarungen erfolgen immer auf Zeit. Sie sind Spiegelbild des Zeitgeistes. Kunstmarktpreise sind Zerrbilder dieses Zeitgeistes. Von Natur aus sind sie immer Liebhaberpreise. Einen objektiven Qualitätsmaßstab können sie nicht repräsentieren, weil es ihn nicht gibt.

Wenn alle Qualitätsmaßstäbe sowieso subjektiv sind, dann kann man es natürlich auch einmal mit der Luftpumpe versuchen. Spendenaufrufe für die 30 000 benötigten Luftpumpen geben mir noch heute die Möglichkeit, auf den Vereinbarungscharakter der Kunst und die Subjektivität ihrer Qualitätsmaßstäbe hinzuweisen und jeden auf diese Weise zu ermutigen, statt sich über Kunst aufzuregen, selbst einmal zu Farbe und Pinsel zu greifen. Malen macht Spaß und fördert die Gesundheit.

Aber auch das Sammeln von Luftpumpen macht Spaß. Anfangs wollte ich mir einen Teil der Luftpumpen kaufen. Das Geld sollte der quadratmeterweise Vorabverkauf des Luftpumpenfeldes erbringen. Ich schrieb 100 Museen, Kunstvereine und Institutionen wie z.B. Mercedes in Stuttgart an und bekam Briefe voller Anteilnahme zurück, aber kein Geld.

Die ersten Luftpumpen bekam ich, am 22. Dez. 1986, an meinem 40. Geburtstag geschenkt. Während unten die Gäste meinen Geburtstag feierten und manche schon das Haus verließen, hielt ich in meinem Atelier unter dem Dach mit beiden Armen die über hundert Luftpumpen umschlungen. Der zur Fixierung der Pumpen in einem flachen Kasten benutzte Füllschaum wollte einfach nicht erhärten. Auch Johannes Rau hätte dem „arzneikundigen Kulturmacher aus Meiderich" zu den Glückwünschen gerne eine Luftpumpe beigelegt, aber die alte für das Verlagsbuchhändlerfahrrad hatte der Ministerpräsident verlegt und die neue wollte er mit nach Bonn nehmen, „damit dort viel neuer Luftzug entsteht." Zum Schluss wünschte er mir neunundzwanzigtausendachthundertsechsundneunzig Luftpumpen. Leider ging sein Wunsch bis heute nicht in Erfüllung.

Als ich in der Zeitung las, dass man sich in China Luftpumpen in den Teestuben leihen kann, rief ich sofort in der chinesischen Botschaft an. Nachdem ich am Telefon dreimal das Wort Plastik buchstabieren musste und als Antwort zu hören bekam, dass es doch an jeder deutschen Tankstelle eine elektrische Pumpe gibt, kamen mir Zweifel ob ich richtig verstanden worden war und legte auf.

Dann fiel mir die Documenta ein. Schließlich handelt es sich bei den meisten Besuchern doch wohl um aufgeschlossene Zeitgenossen. „Wenn nur jeder 10. Besucher mir eine Luftpumpe mitbringt, dann muss es klappen", dachte ich und schrieb flugs den Oberbürgermeister von Kassel an. Mein Luftpumpenfeld wollte ich jetzt der Documenta gegenüber in Form eines Fragezeichens aufbauen. Es kam kein positiver
Bescheid. Der Oberbügermeister hatte kein Plätzchen frei, weil die Stadt Kassel die Aufgabe des künstlerischen Leiters „weder beeinflussen noch konterkarieren" will. Der künstlerische Leiter Manfred Schneckenberger tröstete mich: „Keine Angst, die Documenta 8 wird ihr Fragezeichen hinter einen allzu genormten Kunstbegriff schon selber setzten."

Kassel war mir auch nicht mehr ganz so wichtig. Hatte es doch inzwischen ein Gespräch mit dem „Na, sowas" Macher Holm Dressler gegeben. Er teilte mir mit, dass Thomas Gottschalk mir bei der Pumpensuche durch täglich Berichterstattung während der Funkausstellung in seiner ZDF Sendung „Siehste" helfen wollte. Jetzt musste ich nur noch einen Platz in Berlin finden, an dem die Zuschauer das Luftpumpenfeld wachsen hören und sehen konnten.

Das Pumpenfeld schnitt ich deshalb auf die Berliner Verhältnisse zu. „Luftpumpenfeld am Checkpoint Charlie" hieß der neue Arbeitstitel. Oberbürgermeister Diepgen und den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker bat ich um Erlaubnis, rechts und links der Mauer Pumpen sammeln dürfen. Das Feld wollte ich förmlich über die Mauer klettern lassen, die Mauer auf diese Weise überwinden und damit ein Zeichen der Hoffnung setzen. Das Feld sollte beide Teile Berlins verbinden. Schließlich gab es nur ein Berlin, das 750 Jahre alt wurde!

Der „skulpturenboulevard" geschädigte Oberbürgermeister reichte die Angelegenheit an seinen Kultursenator weiter. Dieser ließ mich durch seine Abteilungsleiter wissen, dass die Mauer kein Ort für ein Happening sei „und auch keine Pinnwand; sie ist ein Instrument der Unmenschlichkeit." Der Osten würde eine solche Aktion nie zulassen.

Postwendend wies ich darauf hin, dass der Osten ja noch nicht abgesagt hatte und fragte nach, was denn bei seiner Zusage geschehen würde. „Dies ist dann so spektakulär, dann müssen wir über die ganze Aktion neu nachdenken", hieß es in etwa sinngemäß. Verständlich, hatte doch der Spiegel gerade über ein Projekt der „Mythos Berlin Ausstellungs GmbH" unter der Überschrift „Russe von hinten" berichtet. Es ging dabei um einen Künstlerwettbewerb zur „behutsamen Verstädterung" des Betonwalls. Von diesem Wettbewerb erfuhr ich leider erst aus diesem Artikel. Jan Laessig, Mitorganisator dieser Veranstaltung bedauerte, dass ich meine Unterlagen nicht eher eingereicht hatte. Eine Berücksichtigung, eine Verlegung des Luftpumpenfeldes von der Mauer auf den Anhalter Bahnhof war jetzt organisatorisch nicht mehr drin.

Zwischenzeitlich hatte ich Kontakt zu dem Bund der Steuerzahler in Berlin aufgenommen. Ein ziemlicheinseitiger Kontakt, denn trotz meiner sieben Anrufe und dem permanent abgegebenen Versprechen meiner Gesprächspartnerin, mir Fotokopien der Pressemitteilungen und Berichte über die Aktivitäten dieses Bundes im Zusammenhang mit den Protesten und „Buh" Rufen wider den Skulpturenboulevard, habe ich dergleichen nie erhalten.

Dabei wollte ich doch nur, dass alle „Buh-Rufer", „76% der Berliner Bevölkerung", diese Schätzung gab der Künstler Vostell in einer Talkshow von sich, ihren Unmut durch eine Luftpumpenspende ausdrückten.

Unter dem Titel „Einblicke" liefen hier zeitgleich die Duisburger Akzente. Bei der Eröffnung hatte der Kulturminister der DDR betont, wie wichtig Kunst als Mittel der Verständigung auch über deutsche Grenzen hinweg sei. Warum ich keine Stellungnahme des Staatsratsvorsitzenden zu meiner Anfrage bis dato bekommen hatte, konnte mir eine diese „Einblicke" betreuende Funktionärin auch nicht sagen. Vielleicht ahnte Honecker ja, dass die Mauer bald sowieso fallen würde.

Meine letzte Hoffnung für einen Auftritt in Berlin war die Firma Sony. Der hatte ich einen Verschönerungsvorschlag für ihren Stand auf der Fernsehmesse geschickt, den ich, nachdem mir bis Juli keine Entscheidung mitgeteilt wurde, wieder zurückzog. Viele Monitoren sollten teichförmig auf dem Boden ausgebreitet werden und von einem „Luftpumpenschilf" umgeben werden. Die Monitoren sollten in einer ganz spezifischen Weise eine Aufzeichnung meines Guinnessrekordbildes wiedergeben und so verdeutlichen, dass Bilder immer aus Bildern kommen. Eine Brücke, ähnlich der, wie sie van Gogh immer gemalt hat, sollte über diesen Kunstteich führen und dem Betrachter den richtigen Abstand ermöglichen.

Welchen Stellenwert das Luftpumpenfeld für mich inzwischen für mich eingenommen hatte, mag man der Tatsache entnehmen, dass ich es Kaspar König für seine „Weltausstellung" der Ideen anbot. Er schrieb zurück: „Die in Frankfurt anstehende Ausstellung bezieht sich auf weniger literarische Ideen und geht in eine andere Richtung." Was hat er damit nur gemeint?

Einen Stellplatz für das Luftpumpenfeld zu finden war schon sehr schwierig, 30 000 Luftpumpen zusammenzubringen schien aber nur einfacher zu sein.

Zwar brachte mir ab und zu auch jemand in der Apotheke eine Luftpumpe vorbei , das Gelbe vom Luftpumpenfeld war es aber nicht. Deshalb ließ ich jetzt den Geist von van Gogh förmlich aus dem Luftpumpenfeld auferstehen und jeder konnte ihm sein Ohr leihen. 

In der Praxis sah dies so aus. Ich baute ein leicht transportables 1 qm großes Luftpumpenfeld bastelte und stellte dahinter ein Bild, das zeigte, wie sich van Goghs Geist aus einem Luftpumpenfeld erhob. An der Stelle, wo van Goghs linkes Ohr gesessen hätte, hatte ich ein Loch in das Bild gemacht, durch die jeder Ausstellungsbesucher, das Bild nahm ich jetzt immer auf Ausstellungen mit, sein Ohr stecken konnte. Mit der Polaroid Kamera, die auf sein Ohr gerichtet war, wurde dieser Vorgang festgehalten. Das Polaroid Bild wurde in eine Grafik „Gehe und leihe van Gogh Dein Ohr!" so eingefügt, dass es jetzt Teil dieser Grafik wurde. Der Betreffende konnte es zu hause an die Wand hängen und seinen Besuchern erzählen, wie und weshalb er an diese Grafik gekommen war. Für mich persönlich war es wichtig, dass auch der damalige Verwalter von Kunst und Kulturmaßstäben, der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft Jürgen Möllemann, der Aktion sein Ohr lieh und auch das Geleitwort zu meinem Kalender für das Jahr 1990, „Ich male, also lebt van Gogh!" schrieb.

Bei jeder Gelegenheit machte ich auf meine Luftpumpensammelleidenschaft aufmerksam. So forderte ich die Meidericher Bevölkerung auch auf, mit der Luftpumpe gegen die fragwürdige Entsorgung von Filterstäuben zu protestieren. Das Feld sollte gegebenenfalls in Form der olympischen Ringe zur Universiade entstehen.

Überhaupt kam bei alledem die Kommunikation nicht zu kurz. Es gab neben Rundfunkbeiträgen, mehrere Fernsehbeiträge, z.B. in der ARD (Allerhand -Bilder, Menschen und Geschichten), der WDR lud mich mit meinem Feld zu „Gesucht – Gefunden" ein und ließ für die Zuschauer sogar ein Luftpumpenorchester auftreten. Ich wandte mich an den Initiativkreis Ruhrgebiet, einem Kreis namhafter deutscher Firmen, die sich dem Ruhrgebiet besonders verbunden fühlten. Tatsächlich bekam ich von einigen Mitgliedern auch Luftpumpen, darunter von einem Max Dietrich Kley, heute stellvertretender Vorstandsvorsitzender BASF, der sich bei dieser Gelegenheit gleich nach einem möglichen Verwandtschaftsverhältnis erkundigte.

 

Immer wieder gab es Gelegenheiten, das Verständnis für Kunst anhand der Luftpumpe zu erproben. 1995 bot sich eine solche Gelegenheit in Berlin bei der Verhüllung des Reichstages durch die Künstler Christo und Jeanne Claude. Da habe ich meinem Hund Hubertus die Reichstagverhüllung mit der Luftpumpe in der Hand erklärt. Er hat zwar verständnisvoll genickt, war sich aber wohl nicht ganz sicher ob er jetzt in die Lappen beißen sollte oder nicht. Nach dem Motto „Kunstwerk beißt Kunstwerk". Immerhin hatte ich ihn und andere Hunde per Urkunde in den Rang eines Kunstwerkes erhoben – denn der Hund als Kunstwerk kommt in den entsprechenden Gebührenordnungen der Städte für die Hundesteuer nicht vor. Als Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler Duisburg e.V. musste ich einfach so handeln. Über letzteren Akt wurde bundesweit geschmunzelt. Es brachte mir auch den Stern der Woche
von Stern TV ein.

Das Angebot des Polizeipräsidenten für die Platzierung des Feldes vor dem Präsidium in Münster kam für mich  im Jahr 2000 überraschend. Ich fühlte mich aber trotzdem gewappnet. Diese Aktion ist nach wie vor eine Herzensangelegenheit von mir. 

Das Thema meiner Aktion ist brandaktuell, geht es doch auch nach der Jahrtausendwende jedem Menschen bewusst oder unterbewusst darum, seinem Leben einen Sinn zu geben, den höchstpersönlichen, vor sich selbst akzeptierten Maßstab für sein Leben zu finden. Die Suche nach diesem Maßstab ist ganz eng verknüpft mit der Frage nach dem Sinn des Leben.

An die Öffentlichkeit bin ich 1978 im Bewusstsein gegangen, dass jeder Mensch Erfolgserlebnisse braucht und der Arbeitsprozess diese durch seine oft menschenwesensfremde Gestaltung kaum zulässt. Arbeitslosigkeit natürlich noch viel weniger. Glückspillen sind kein Ausweg. Bleibt nur Kreativität. Man sollte nur nicht über selbstgelegte Fußangeln in Form missverstandener oder blind übernommener
Maßstäbe stolpern.

 

Nachdem in den vergangenen Jahren meine Malerei immer näher an meinen Beruf gerückt ist – 1994 „Nur Arzneimittel sind Arzneimittel", 1996 „Jeder Mensch ist ein Placebo!", 1999/2000 „Fett weg!" sehe ich in dem geplante Luftpumpenfeld auch ein Gesundheitsdenkmal, denn im Gesundheitswesen ist trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Gesundheitspolitiker keine Luft mehr. Letzten Endes kann es mir aber egal sein, ob mir Luftpumpen als Zeichen eines Protestes, zur Unterstützung einer Kunstaktion oder zur Förderung eines gemeinnützigen Zweckes gespendet werden, denn ich selbst möchte dieses Feld auch als Skulptur erleben und dazu brauche ich nun einmal 30 000 Luftpumpen. Motivierend für die Spender wirkt sich sicher aus, wenn nicht nur ich an die Realisierung dieses Feldes glaube, sondern das ganze Feld unbesehen vor der Erstellung von einem Sponsor gekauft und den Betrag bei der Übergabe in Münster auf das Konto eines Fördervereins krebskranker Kinder etc. überwiesen wird. Ab jetzt darf deshalb geboten werden! 30 000 DM sollten es aber schon sein!"
 

Den Gedanken an ein Gesundheitsmahnmal aus 30 000 Luftpumpen in Münster musste Rudolf Kley allerdings im Jahr 2000 nach Intervention des Polizeipräsidenten und des Büros des Bundespräsidenten Rau aufgeben. Der Polizeipräsident hatte Rudolf Kley nach Münster eingeladen und den Platz vor dem Präsidium für die Aufstellung seines gelben Luftpumpenfeldes -in Anlehnung an van Goghs Weizenfeld- zur Verfügung gestellt. Außerdem unterstütze er den Apotheker kräftig beim Luftpumpensammeln. Jede Polizeidienststelle in NRW nahm auf seine Anweisung hin Luftpumpen entgegen.

Auch Bundespräsident Rau wollte anlässlich der Eröffnung des Picasso Museums in Münster seine Luftpumpe zu dem Feld beisteuern, sagte alle Termine im September aber wegen seiner Erkrankung ab. Von der Veranstaltung mit dem Bundespräsidenten und den begleitenden Presseberichten hatte Rudolf Kley sich einen erheblichen Wachstumsschub für das Luftpumpenfeld versprochen. Der blieb jetzt aus. Wie in den Jahren zuvor blieb das Feld unvollendet. Zum Einsatz kamen die Luftpumpen erst wieder beim "Kreuzzug für die Mercatorhalle". Wann  van Goghs Geist  aus einem gelben Luftpumpenfeld aufsteigen wird, steht wieder in den Sternen. Vielleicht klappt es zur BUGA 2011 in Duisburg. Motto: „BUGA Duisburg verbindet". Dann ist diese Idee genau 25 Jahre alt. Ein Plakat hat Rudolf Kley schon gemalt.

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Ein "Luftpumpenreiter" überbrückt auf diesem Bild eine Kluft und bewegt sich auf ein blühendes Duisburg zu. Duisburg und BUGA, das findet Rudolf Kley bei aller Kritik am Abriss der Mercatorhalle einfach Spitze