Der Name ist die Kunst!  

 

 
  NAMEART
 
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NAMEART

Der Kunstmarkt verlangt das Markenprodukt, die Unverwechselbarkeit und die Signatur. 1991 wählt Rudolf Kley die Pseudoanonymität und benutzt den Namen Kley nur, um die Bildfläche aufzuteilen und unterschreibt je nach Laune mit einem anderen Künstlernamen. Nach dem Motto „Der Name ist die Kunst" hat Rudolf Kley sich von diversen Markenfirmen die Erlaubnis geben lassen, seine Bilder mit ihren Firmennamen oder dem Namen eines ihrer Produkte unterzeichnen zu dürfen. Er unterstreicht damit, dass es nicht darauf ankommt, Bilder zu malen, damit man am Ende etwas zu signieren hat. Der Malprozess ist das entscheidende Ereignis. Der besondere Reiz dieser Aktion liegt darin, dass Kunstsponsoring hier einmal andersherum funktioniert. Nicht die Künstler, sondern die Firmen werden – im guten Sinne des Wortes – benutzt.


Die Malergebnisse - Popart und abstrakter Expressionismus geben sich hier die Hand – bezeichnet Rudolf Kley unter Einschluss ihres Entstehungsprozesses als „NAMEART". „NAMEART" stellt für Rudolf Kley auch die Spitze der Performance dar. Außerhalb der Malerei zählt für ihn jede Personality Show dazu, jeder „Gottschalk", jeder „Harald Schmidt" z.B. Es interessiert Rudolf Kley absolut nicht, ob der Begriff „NAMEART" irgendwo in der Welt bereits von anderen Zeitgenossen so oder anders benutzt wird oder wurde, oder andere Maler ihren Namen jemals zum Gegenstand ihrer Malerei gemacht haben. Ohnehin hat Rudolf Kley den Begriff inzwischen auf jede Art von Malerei ausgedehnt, die auf das wie auch immer geartete Ausmahlen von Feldern zurückgeht, wie sie sich aus dem Schreiben eines Begriffes, eines Satzes oder ganzen Kapitels auf den Bildgrund ergeben.

 



Erklärende Worte von Rudolf Kley anlässlich der NAMEART - Ausstellungseröffnung am 12. November 1992 in der Galerie 77


Zu den Bildern dieser Ausstellung
Warum sind einige Bilder signiert andere nicht? Warum mit "Bläck und Dächer", "Bläck Donald" oder gar "Seehofer"? Warum steht da eine Flasche COCA COLA unter dem Bild?


Es handelt sich hierbei nicht um Signaturen, sondern um Bildtitel, die das dargestellte gut beschreiben. Verbote, meine Bilder mit bestimmten Firmennamen zu unterschreiben, haben mich zwar zu diesen Bildern inspiriert. Es ist dem Assoziationsspielraum des Betrachters überlassen, an welche Firmen er bei dem Betrachten der Bilder denkt. Für mich zählt nur das Dargestellte und dies hat keinen Bezug zu irgendwelchen Firmen.
Anders ist es bei dem Seehofer Bild. Da suche ich den Konflikt, da schreibe ich mir etwas vom Herzen. Ich habe noch nie einen Menschen mit so einem breiten Lächeln lügen sehen. Natürlich wird dem Patienten die Gesundheit gekürzt und dafür die Krankheit ein wenig verlängert. Seehofer nimmt so massiv Einfluss auf die Verschreibung des Arztes, dass er ärztliches Handeln beeinflussen muss. Beim Schreiben muss der Arzt jetzt nicht mehr an Ethik sondern an seine Mohnethik denken! Seehofer ignoriert, das man gerade aus diesem Grund vor 750 Jahren die Berufe Arzt und Apotheker getrennt hat. Er will mittelalterliche Verhältnisse wieder einführen.
Die anderen Bilder sind deshalb Doch nicht mit Firmenna8en signiert, weil ich jetzt am Anfang keine Firma besonders hervorheben will. Einerseits sollen sich die Firmen ihre Bilder selbst aussuchen, andererseits wurde die Erlaubnis auch manchmal von der Zusage der Bilder abhängig gemacht.


Ich benutze das Wort "Kley" nicht, damit am Ende wirklich ein echter "Kley" an der Wand hängt. Mir ist es eigentlich egal, was ich male. Voraussetzung ist nur, dass das Thema von mir bewusst und emotional getragen wird. Die Buchstaben z.B. sind austauschbar. Beweis: die "LEOFEEN" Ausstellung vor 2 Jahren. "Kley" im Zusammenhang mit der von mir kreierten "NAMEART" ist nur eine tragfähigere Brücke von meinem Verständnis von Malerei zu meinem Kunstverständnis.
Ich greife auf, was alle Menschen denken. Der Preis eines Bildes hängt natürlich nur von dem Namen des Künstlers ab. Das so denken, aber innerlich nicht akzeptieren, ist das größte Hemmnis bei der Bildbetrachtung. Es lenkt vom Bild ab, weil man sich mehr mit seinem Preis auseinandersetzt. Es steht der eigenen Kreativität im Wege, weil man sich unsicher ist, ob es da nicht doch ein objektives Qualitätskriterium gibt, das nur Fachleute kennen.
Eine Verbindung von POP ART und abstrakten Expressionismus sehe ich in meinen Werken insofern, weil ich mit Hilfe vergleichbarer Stilmittel die Bedeutung des Malaktes selbst thematisiere. Stilmittel heißt hier, ich biete Buchstaben an, die jeder meiner Zielgruppe lesen kann und bringe hoffentlich den vom Ringen um das Bild durchsetzten Spaß an der Malerei rüber. Im Unterschied zur POP ART greife ich nicht den Markenartikel durch Abbildung auf, sondern benutze sein Image. Der Haken an dem gemeinnützigen Aspekt meiner Aktion ist, dass meine Thesen nur durch den persönlichen Erfolg Beweiskraft erlangen.
Mich interessieren auch Bilder, die andere Menschen malen. Im Gegensatz zur Kunstmarkt- oder Expertenmeinung kann die Bilderflut nicht groß genug sein. Unter der Bilderflut leidet nicht "die Qualität" . Denn so wie es auch "die Kunst" nicht gibt, gibt es auch nicht „die Qualität". Es entsteht eine neue Qualität. Für mich liegt die Qualität in der Glaubhaftigkeit, Authentizität. Wer diese in seine Bildern auslebt, kann auch im Alltag nicht von ihr lassen. Ich behaupte, wer in seinen Bildern ehrlich ist, ist es auch zu sich selbst, eine Grundvoraussetzung, um auch mit seinen Mitmenschen ehrlich umzugehen.

Darüber hinaus steckt in kreativer Freizeitgestaltung noch ein therapeutischer Effekt. Unsere Gesellschaft orientiert sich nicht mehr an der Arbeit als Lebensinhalt. Dies schafft für diejenigen Freizeitprobleme, die sich nicht selbst beschäftigen können und denen das Geld fehlt, um sich fortwährend unterhalten zu lassen.
Der spielerische Umgang mit Malerei kann für viele Menschen, denen z.B. der Sport nichts gibt, ein Ausweg in eine neue Freizeitkultur sein, zu der natürlich auch noch andere Wege führen.