Rundschreiben von Rudolf Kley, 1. Vorsitzender der
Interessengemeinschaft Duisburger Hundesteuerzahler e.V., vom 19.
Februar 1994 an die Mitglieder dieses Vereins.
Liebe Hundefreunde!
Die Regelungen für die Hundehaltung in der Stadt Duisburg übersteigen
den gesunden Menschenverstand. Duisburger Hundehalter wissen das.
Gespräche der Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler Duisburg e.V.
mit der Stadt Duisburg haben wenig gebracht. Die Stadt ist auf
praktikable Vorschläge der Interessengemeinschaft nicht eingegangen und
beabsichtigt anscheinend auch nicht, dies in Zukunft freiwillig zu tun.
Die Hundehalter können ihre Forderungen- z.B. nach mehr Auslaufflächen
für Hunde- nicht dadurch unterstreichen, dass sie mit dem wirksamsten
aller Mittel, mit der Einstellung der Hundesteuerzahlung drohen. Dies
ist nur mit einem "Kunstgriff" möglich.
Ich spreche jetzt von der Aktion "Hund ist Kunst". Diese Aktion ist eine
besonders herzerfrischende, sehr öffentlichkeitswirksame Aufforderung an
die Bürokraten und Politiker der Stadt, endlich Kreativität walten zu
lassen. Die am grünen Tisch beschlossenen, nicht mit einer artgerechten
Hundehaltung im Einklang stehenden Vorschriften müssen geändert werden.
Anderenfalls wird die Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler mit
Sicherheit ihre Kreativität walten lassen, um immer wieder öffentlich
auf die Mängel der Verordnungen hinzuweisen. Dies ist mit der Aktion
"Hund ist Kunst" zur Zeit bereits bundesweit der Fall.
Ein Erfolg ist also schon da. Der nächste stellt sich ein, wenn Sie
mitmachen, Ihren Hund zum Kunstwerk erklären lassen, und den
beiliegenden Antrag auf Befreiung von der Hundesteuer ausfüllen.
"Hunde-Kunstwerke" kommen mit Sicherheit in der Gebührenordnung der
Stadt Duisburg nicht vor. Für "Hunde-Kunstwerke", z.B. Hundeskulpturen,
Hundebilder musste noch niemals in der Vergangenheit Hundesteuer bezahlt
werden. Weder in Duisburg noch anderswo. Der Antrag auf Steuerbefreiung
hat also eine gewisse Aussicht auf Erfolg. Im Zweifelsfall werden die
Gerichte darüber entscheiden müssen.
Damit Ihnen das Ausfüllen leichter fällt, möchte ich Sie umfassend über
die Aktion "Hund ist Kunst" informieren. Dazu ist ein kleiner Ausflug in
die Kunstgeschichte nötig.
Die Kunstgeschichte belegt, wie Altagsgegenstände, Gebrauchsgut,
Fundstücke, Naturgegenstände, "Pissbecken" und sogar Menschen - allein
durch den künstlerischen Akt, in diesem Fall Herausnahme aus der
gewohnten Umgebung, materiell unverändert durch bloßes Hineinstellen in
einen neuen, im weitesten Sinne kunsthistorisch bedingten Zusammenhang,
zum Kunstwerk werden. Diese Kunstwerke sind die absolut perfekte
Annäherung der Kunst an die Wirklichkeit. Der Künstler lässt in diesen
Objekten die Realität sich selbst darstellen und nimmt ihnen dadurch als
Kunstobjekt die traditionell gewohnte Nachahmungsfunktion von
Wirklichkeit. Dies kann man in allen Kunstbüchern so nachlesen.
Das gleiche geschieht mit Ihrem Hund. Ihr Hund wird durch mich zum
Kunstwerk erklärt! Dieser Vorgang wird in einer Urkunde festgehalten.
Nur Hunde mit diesem Zertifikat sind im Sinne dieser Aktion Kunstwerke.
Die Urkunde hat insofern Beweiskraft.
Der Kunsthistorische Zusammenhang ergibt sich aus der Tatsache, dass ich
seit Jahren versuche, meinen Mitmenschen, insbesondere Erwachsenen, Mut
zur eigenen Kreativität zu machen, z.B. mal wieder den Pinsel in die
Hand zu nehmen.
Malen macht ungeheueren Spaß. Nur das Malerlebnis zählt. Ob das Ergebnis
Kunst ist, ist völlig unwichtig und unbedeutend, weil die
Kunstgeschichte zeigt, dass jeder Gegenstand um uns herum grundsätzlich
die Eigenschaft, ein Kunstwerk zu sein, in sich trägt.
Wie oben bereits erwähnt kann jeder Gegenstand - allein durch die
Erklärung zum Kunstwerk durch jemanden, der sich dazu berufen fühlt - in
die Kunstgeschichte eingehen. Die Kunstgeschichte legt dabei noch einen
drauf. Sie ist so "grausam", sich selbst als "Antikunst" konzipierte
Objekte einzuverleiben und daraus "Kunst" zu machen.
So wie jeder Gegenstand um uns herum also ein potentieller
Kunstgegenstand ist, ist auch jeder Mensch ein potentieller Künstler.
Oft genügt nur ein kleiner Anstoß, um diese Fähigkeit in sich wieder zu
entdecken. Hat nicht jeder von uns als Kind ganz unbefangen gemalt?
Wenn das "Kunstmachen" auf der einen Seite so einfach ist, warum wird
auf der anderen Seite, auch von der öffentlichen Hand, für Kunstwerke
soviel Geld bezahlt? Allein der Ärger über diese Tatsache hat Sie bisher
davon abgehalten, sich mit Kunst näher zu befassen und hält sie
vielleicht auch davon ab, an der Aktion "Hund ist Kunst" teilzunehmen.
Die Preise für Kunstwerke sind reine Liebhaberpreise. Ihre Höhe wird u.a.
durch die Nachfrage der Sammler bestimmt und orientiert sich auch an dem
Bekanntheitsgrad des Künstlers und der Einstufung des Werkes innerhalb
seines Gesamtwerkes. Es wird für die Kunstwerke soviel bezahlt, weil sie
billiger nicht zu haben sind. Der Kunstmarkt ist eben ein Markt wie
jeder andere, nur dass die Ware "Kunst" genannt wird.
Die Preise für Kunstwerke repräsentieren auf keinen Fall einen nur für
Eingeweihte sichtbaren objektiven Qualitätsmaßstab. Alle Vorstellungen
über Kunst, über die Qualität von Kunst werden durch Vereinbarungen
aller am Kunstbetrieb beteiligten Menschen darüber geprägt. Sie können
nur subjektiv sein und erfolgen immer auf Zeit! Sie sind Spiegelbild des
Zeitgeistes, wie Kunstmarktpreise Zerrbilder dieses Zeitgeistes zu sein
scheinen.
Ich wünsche mir, dass Sie mich nach diesen Ausführungen als durchaus
nüchtern denkender "Künstler" einstufen und ich Ihre Sympathie für die
Aktion "Hund ist Kunst" geweckt habe.
Vertrauen Sie mir bitte Ihren Hund an und lassen Sie mich aus ihm ein
Kunstwerk machen.
Erklären Sie sich dadurch mit allen anderen Hundehaltern solidarisch,
die von der Stadt artgerechtere Rahmenbedingungen für die Hundehaltung
verlangen.
Füllen Sie bitte das beiliegende Antragsformular und die Urkunde aus.
Die Urkunde ist nur ein Muster. Die Angaben werden auf ein Original aus
einer Elefantenhautimitation übertragen.
Mitglieder der Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler Duisburg
e.V. erhalten diese Urkunde kostenlos.
Mit freundlichen Grüßen
|