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Nach seiner für ihn selbst sehr
lehrreichen Aktion Kunst ist Kohl hatte Rudolf Kley eigentlich das Malen
ganz aufgeben wollen und sich eine Gitarre gekauft.Doch als der
Geschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein ihm im Herbst 1981 eine
Ausstellung auf dem Apothekertag 1982 in Düsseldorf anbot, freute sich
Kley auf diese Ausstellung im Kreis gleich gesinnter Kollegen. Was aber
ausstellen? Kley griff wieder zum Pinsel. Er wollte zeigen, wie sich
Malerei aus Malerei entwickelt und aus sich heraus begründet. Und das
diese Begründung als Malmotiv völlig ausreicht. Jeder sollte dies
nachvollziehen können und animiert werden, selbst zum Pinsel zu greifen.
Deshalb malte Kley auf Raufasertapete und benutze die adäquaten billigen
Farben, Abtönfarben. Kein Bild wurde ausgeschnitten. Nicht nach gut oder
schlecht aussortiert. Diese Art Malerei unterbrach er nur, als sein
älterer Bruder Wolfram einen Schlaganfall erlitt und am 21.Dezember 1981
verstarb. „Dem Tod von der Schippe gesprungen" entstand im November und
am Todestag „Jesus weint". Rudolf Kley konnte jetzt noch nicht weinen.
Stand der pädagogische Maltrip vor dem aus? Nach kurzer Zeit, nämlich im
April 1982, holte ihn die Tapetenmalerei wieder ein. Duisburg stand in
den Startlöchern zu seinem Jubiläumsfest. 1993 wurde Duisburg 1100 Jahre
alt und war Partnerstadt der ARD Fernsehlotterie ein Platz an der Sonne.
Das Jubiläumsfieber ergriff auch Rudolf Kley. Er wollte jetzt ein Bild
malen, das anlässlich des Jubiläums in Duisburg selbst Geschichte machte
und diesen kleinen, unbedeutenden Teil Duisburger Stadtgeschichte durch
seine Existenz illustrierte. 1100 Meter sollte das Werk lang sein und
aus 1100 Einzelbildern bestehen. Für Kley war es ein Plädoyer für die
Freiheit seiner Malerei. Die Malerei erhebt sich über jeden
Illustrationszweck. Sie weist direkt auf den Vereinbarungscharakter von
Kunst und Qualität von Kunst hin, weil sie sich gerade diesen
Vereinbarungen nicht unterordnet. Statt Stadtgeschichte „1100 Meter
Stattgeschichte". Die Bilder nannte Kley Stattmeter. Ein gutes Maß für
Menschlichkeit. Denn diese Bilder wurden noch vor ihrer Existenz bereits
zugunsten der ARD Fernsehlotterie anhand der Bildtitel verkauft. ZB.
„Beleuchtung Karl des Kahlen defekt" oder „Weißer Wal verirrt sich an
Ampel", „Parkhaus für trickdiebe" oder Unbekannter drohte mit
Bindestrich". Die Bildtitel waren Kollagen aus aktuellen Duisburger
Zeitungsüberschriften und Sätze aus einer zweibändigen Stadtgeschichte.
Der fehlende Bezug zur Malerei unterstrich die Freiheit der Malerei. Die
Aktion wurde am 25.Juli 1982 im Rahmen einer Ausstellung von Rudolf Kley
in der Krefelder Art &Action Galerie durch den Duisburger
Kulturdezernenten Dr. Konrad Schilling eröffnet. Dr. Schilling kaufte
den ersten Stattmeters. Ministerpräsident Johannes Rau hatte dies zur
Vorbedingung für den Kauf des letzten Bildes gemacht. Jedem Besucher
drückte Kley einen weißen signierten Stab in die Hand und beteuerte
ausdrücklich, dass dies keine Anspielung auf irgendeine Blindheit im
Kunstbereich sei. Die Besucher nahmen auf diesem Stab mit Farbe eine
eigene Maßeinteilung vor und druckten sie auf ein als Gästebuch
ausgelegtes Stück Raufasertapete. Besonders den Kindern bereitete dies
großen Spaß. Dann wurde es ernst. Kley schnitt sich den Weg durch die
auf weiße Laken geschriebenen Bildtitel frei und malte, von den
Ausstellungsbesuchern durch die Löcher in den Tüchern beobacht, den
ersten Stattmeter. Dieser erste "Stattmeter" war schon verkauft. Viel
schwieriger war es, Liebhaber für die restlichen Bilder zu gewinnen. Wer
kauft Bilder schon gerne blind. Konsequenz: um ein Bild zu verkaufen,
musste Rudolf Kley eine Aktion machen. Er bezog das ganze Ruhrgebiet
mitein, damit die Aktion sich in der lokalen Presse nicht totlief. In
Orsoy wog er den Kulturamtsleiter und multiplizierte Gewicht mit dem
Verhältnis seiner Blutdruckwerte und kam so zum „Orsoyer Stattmeter". In
Gladbeck blitzte Kley ab. Dort wollte er den Oberbürgermeister Kopf
stehen lassen und das Wort Kunst im Duden durch Kohl ersetzen. (Eine
Sparversion dieser „Kunststreichaktion" führte er im November 1984 auf
dem Deutsch-Französichen Kulturmarkt in Mettmann durch.)
Seiner Ausstellung im grafischen Kabinett der Stadt Lünen stellte er
eine Stattmetervermessungsaktion voran. Seitdem steht Bürgermeister
HarzerFOTO mit einem Fuß in der Kunstgeschichte. Seine Schuhgröße ist
die Basis dafür, dass in Lünen jetzt alle auf großen Fuß leben können.
Der Stattmeter in Lünen ist 15 Meter lang. Der Ordner mit
Presseberichten schwoll bedenklich an. Eine Aktion zog die nächste nach
sich. Die Presseberichte zogen die Käufer an. So schrieb z.B. der
Europaabgeordnete Dr. Otmar Franz, Vorstandsmitglied bei Klöckner: „Ihre
´1100 Meter Stattgeschichte´ sind wirklich eine Bild-schöne Idee. Ich
würde gerne einen Meter davon kaufen, wenn dieses Stück Ihrer Arbeit dem
Thema ´Jugendarbeitslosigkeit in Europa´ gewidmet werden kann." Dr.
Franz hatte nämlich in seinem Wohnort Mülheim einen Arbeitskreis zur
Verminderung der Jugendarbeitslosigkeit initiert. Kley widmete der
Jugendarbeitslosigkeit keinen Duisburger Stattmeter sondern machte eine
eigene Aktion daraus. Die Mülheimer Oberbürgermeisterin Eleonore
Güllenstern stellte ihre persönlichen Maße zur Verfügung: Elle,
Schuhgröße, Kopfumfang, Länge der Nase usw. Dazu wurde die Schuhgröße
des Mülheimer Normalbürgers addiert, mit 10 multipliziert und durch die
Hausnummer der Oberbürgermeisterin dividiert. Heraus kam mit 46,81 cm
der „Mülheimer Stattmeter". Kley malte Mülheimer Stattmeter, die
zugunsten des Arbeitskreises verkauft wurden. 111 Bilder sollten es
werden, doch die Malerei machte soviel Spaß, dass es gleich 408 Bilder
wurden. Die Ausstellung wurde in den Räumen des Arbeitskreises in
Gegenwart von viel Prominenz eröffnet und zog später in die städtische
Galerie im Rathaus um. In Duisburg hatte Kley inzwischen auch einen
Plakette „1 Meter DU" mit einem krummen Meter kreiert, den er selbst als
Teil eines Fragezeichens definierte. Nach seiner Ansicht muss man
gültige Maßstäbe im Bereich der Kunst und darüber hinaus auch in den
zwischen menschlichen Beziehungen damit versehen. OB Krings stellte mit
ihm diese Plakette der Presse vor. Als Pappkamerad im Apothekerkittel,
bestückt mit einer unbekannten Anzahl von Plaketten, die es zu erraten
gab, warb der Oberbürgermeister fortan für die Aktion. Vor dem Lehmbruck
Museum hielt Rudolf Kley Wache, als Lothar Buchheim seinen 65 Geburtstag
mit einer Ausstellung seiner Werke feierte und zum Professor ernannt
wurde. Viele Prominente, unter ihnen auch Johannes Rau und Götz George,
kauften einen Stattmeter. Noch mehr Zulauf versprach sich Rudolf Kley
durch eine Ausstellung des Gesamtwerkes. Nur fand sich in Duisburg kein
von der Größe her geeigneter Raum. Die Stadt bot den noch nicht ganz
fertiggestellten U-Bahnhof an der Königstraße an. Doch konnten die
Sicherheitsbedenken nicht ausgeräumt werden. So gab es z.B. an den
Treppen noch keine Geländer. Eine Teilausstellung fand im September 1983
im Rahmen der Ausstellung „Große Niederrheinische Kunstausstellung"
statt. Kley stellte die letzten 24 Bilder aus. Beim signieren hatte er
festgestellt, dass er sich beim Malen verzählt hatte. Es waren 1124
Bilder geworden. Dafür war in der Ausstellung eine Videoaufzeichnung
aller Bilder zu sehen, die mit Unterstützung der Duisburger Universität
zustande gekommen war. Rudolf Kley engagierte sich weiter für
jugendliche Arbeitslose und ließ von 12 Stattmeterbildern Kunstkarten
drucken. Sie wurden über verschiedene Apotheken zugunsten privater
Initiativen gegen Jugendarbeitslosigkeit verkauft. Für Kley schloß sich
hier der Kreis. Von Anfang an regte er an, Freizeitproblemen, wie sie
auch durch Arbeitslosigkeit entstehen können, durch selbstschöpferische
Betätigung zu lösen. „Malen ist gesund. Besser jedenfalls als das
Schlucken von Pillen um die Einsamkeit und Langeweile zu verschlafen!",
waren oft seine Worte. Nicht ohne Grund hatte sich Rudolf Kley an
Bürgermeister, Oberbürgermeister oder sonstige Stdtvertreter gewand. Er
konnte so sicher sein, das seine Öffentlichkeitsarbeit von
Pressemitteilungen der städtischen Pressebüros Flankenschutz erhielt.
Hatte er anfangs ganz persönliche Daten der Stadtvertreter benutzt, um
das spezifische „Stattmass" zu bilden, ging er zuletzt aus Zeitmangel
dazu über, die Schreiben der Stadtrepräsentanten stellvertretend zu
vermessen. Auf diese Weise gab es auf einmal Stattmeter von München bis
Bremen. Es gelang Rudolf Kley, die Außenminister Hans Dietrich Genscher
und Staatsminister Jürgen Möllemann als Stattmetermaler zu „engagieren".
Sie verlängerten das Marathonbild um einen bemerkenswerten Meter, der
jetzt um Zuge des Tu(e)-Gutes-Projektes(!) zu Ende gemalt und
versteigert werden soll. Bei dieser Gelegenheit sah Hans Dietrich
Genscher auch seinen Stattmeter zum ersten Mal. Neben seiner Suche nach
geeigneten Räumen nach einer Ausstellung seines Marathonbildes
entwickelte Rudolf Kley auch seine Malerei weiter und stellte diese
Werke aus. Volker Kortthäuer, ein Jugenfreund, stellte ihm seine Räume
in Essen zur Verfügung. Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft über der
Anwaltskanzlei Heinemann und Partner. In dieser Kanzlei war auch Dr.
Peter Tückmantel tätig, der selbst malte. Über die Malerei bekam man
schnell Kontakt und es wurde am Ende sogar ein Freundschaft daraus.
Zusammen mit Volker Korthäuer vermittelte er die Ausstellung des
Duisburger Jubiläumsbildes in der Kassenhalle der Hauptverwaltung der
Sparkasse Essen am 23. März 1985.
Die WAZ beschrieb diese Ausstellung so: „Über zwei Stockwerke
schlängelte sich das Mammut-Bild durch die Zeitungsausschnitt.
Kassenhalle der Bank. Eine Super-Schau, wie sie zu Lebzeiten selten
einem zuteil wird. Für mehr als 20 000 Mark wechselten in der ersten
Stunde nach der Eröffnung mehr als 100 Bilder ihren Besitzer."
Das Geld erhielt die Arbeitsgemeinschaft Essener Wohlfahrtsverbände.
Dr. Tückmantel hatte in der Vorphase der Ausstellung angeregt, das Werk
ins Guinnessbuch der Rekorde eintragen zu lassen. Obwohl der
Erdkilometer in Kassel auch nicht aus einem Guss war, wurde der Antrag
auf den Rekordeintrag als längstes abstraktes Bild nicht angenommen.
Bemängelt wurde, dass das Werk aus 33 Tapetenrollen bestand. Kley
meldete sein Kunstwerk deshalb als „längste abstrakte Bildfolge an und
hatte Erfolg. Zusammen mit Boris Becker rutschte er in letzter Minute
ins Guinnessbuch der Rekorde für 1986.
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